Die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz erleben ein exponentielles Wachstum. So stehen so gut wie alle Teilbereiche der Gesellschaft vor neuen Fragen bezüglich ihrer Chancen und dem Umgang mit ihr. Auch innerhalb der Filmbranche hat sich bereits seit unserer ersten Auseinandersetzung mit dem Thema viel getan.

Zugängliche generative Video-KI wie Sora von OpenAI können von immer mehr Menschen bedient werden. Die fertigen Videos überschwemmen die sozialen Medien, wobei es immer schwieriger wird, zwischen echt und generiert zu unterscheiden. Die neueste Einigung zwischen OpenAI und Disney zeigt, was auch hier möglich sein kann und werden wird. Disneys Charaktere dürfen demnach nun von der KI für die generierten Inhalte genutzt werden. So stehen auch Laien viele neue Möglichkeiten offen – zumindest für Social Media.
Aber auch in der Werbung erleben wir immer mehr den Einsatz von KI im Bewegtbild. Es eröffnen sich also immer mehr Wege für die professionelle Film- und Videoproduktion. Um diese Wege zu verstehen und entscheiden zu können, welche man wirklich einschlägt, sollte man jedoch auch ihre Abzweigungen kennen: Was ist eigentlich genau gemeint, wenn über Künstliche Intelligenz in der Branche gesprochen wird? Was kann gemacht werden und was wird gemacht? Wie ist die Resonanz und warum kann das Thema auch spalten? Das soll im folgenden Artikel aufgearbeitet werden.
Künstliche Intelligenz – Eine wie alle?
Überall wird über Künstliche Intelligenz – oder KI – diskutiert. Die Themengebiete erstrecken sich dabei von der Medizin über die Bildung bis hin zu kreativen Bereichen. Doch nicht jedes Gebiet spricht über die gleiche Art von KI. Teilweise unterscheiden sich bereits innerhalb der Branchen die Arten Künstlicher Intelligenzen, die genutzt werden, und auch ihre Resonanz.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen schwacher und reaktiver KI sowie vollständigen KI-Systemen. Schwach meint hierbei die fehlende Funktion, neue Fähigkeiten zu erlernen, die über die klaren eigenen Aufgaben hinaus gehen. Zu dieser Art von künstlicher Intelligenz gehört auch die generative KI, um die es in Diskussionen bezüglich einer kreativen Nutzung geht.
Die Generative KI kann Text, Bild, Video und Musik generieren. Dafür greift sie auf ein Repertoire eingespeister Medien zurück, aus der sie lernt und Muster erkennt. So wird dann etwas erstellt, das auf die Vorgaben des:der Nutzer:in passt. Das geschieht zum Beispiel bei Sora.
Dabei ist generative KI nicht die einzige künstliche Intelligenz, die in der Filmbranche eingesetzt wird, aber mit die Umstrittenste.

Eine neue (generierte) Realität
Auch in professionellen Kontexten lässt sich bereits beobachten, wie KI genutzt wird. So produzierten zum Beispiel Prinzenrolle, Haribo und Persil 2025 ihre ersten KI-Werbungen. Gemeinsam ist den Spots wohl, dass man den Einfluss von künstlicher Intelligenz klar erkennen kann. Der eingefügte Bär bei Haribo ersetzt einen der Schauspieler und flackert eher artifiziell in der Szene, die Beflockung der Trikots im Persil Spot ergeben keinen Sinn und die Menschen in der Prinzenrollen Werbung wirken unecht und zu “glatt”.



Die Unternehmen betrachten die Spots als neuen Meilenstein in ihrer Werbegeschichte oder auch progressives Experimentieren mit neuer Technik. Dabei ist die Resonanz der Konsument:innen eher negativ. Die Werbung wird als “unglaubwürdig, emotionslos und gruselig” beschrieben. Es wird die Frage gestellt, ob das Unternehmen “kein Geld für richtige Werbung ausgeben” wolle. Die KI-Werbung – besonders jene, die ausschließlich durch generative künstliche Intelligenz produziert wird – ist günstiger als herkömmliche Werbung. Solange man real von generiert unterscheiden kann, kann professionell produzierte Werbung auch als Qualitätsmerkmal betrachtet werden.
Doch es ist unklar wie lang KI noch als generiert wahrgenommen werden kann. Bereits innerhalb der letzten Monate konnten durch Sora KI-Videos für die sozialen Medien produziert werden, die immer mehr Menschen nicht als solche erkennen. Es wird zwar über Kennzeichnungspflichten gesprochen, doch es bleibt unklar, wann diese kommen und wie viel sie bringen, wenn circa ein Viertel der Ergebnisse bei Suchanfragen bereits KI-generiert sind.
Möglichkeiten in der Filmbranche
Schon innerhalb unseres ersten Artikels wurde deutlich, dass sich die Arbeit mit künstlicher Intelligenz innerhalb der Filmbranche durch alle Teile einer Produktion ziehen kann. Bei der Vorproduktion bietet sie zum Beispiel Hilfe bei Drehbuch und Storyboard Erstellung, während der Produktion durch technische Spielereien und in der Post-Produktion durch die Automatisierung von “Fleißarbeiten”. Es ist kaum möglich die vielen Arten des Einbezugs von künstlicher Intelligenz innerhalb dieses facettenreichen Prozesses zu benennen.
Dabei ist es kaum abzustreiten, dass künstliche Intelligenz auch hier ein großes Potenzial bietet Aufgaben zu vereinfachen. Gleichzeitig wird deutlich, wie der Einfluss menschlicher Arbeit unwichtiger oder obsolet werden kann. Insbesondere in Bezug auf das Schauspiel wurden innerhalb der letzten Jahre weitere Innovationen entwickelt. So ist es mittlerweile möglich durch KI Schauspieler:innen zu verjüngen oder altern zu lassen, was bereits im neuen Indiana Jones Film genutzt wurde. Außerdem gibt es Möglichkeiten Stimmen oder ganze Menschen digital einzufangen und zu vervielfältigen. Dabei spricht man von Voice Cloning, was Synchronisationsprozesse schneller und einfacher gestalten kann oder auch DeepFakes, die anstelle der Schauspieler:innen gebucht werden können und mit denen man digital mehr Möglichkeiten der Inszenierung hat.
Sven Bliedung von der Heide hat auf der Basis Letzterem sein Unternehmen Volucap aufgebaut. Das Unternehmen hat 2020 den Innovationspreis Berlin Brandenburg gewonnen und arbeitet mittlerweile auch an einigen großen Hollywood Produktionen mit. Auch hier bietet die neue Methode eine Alternative für gängige Motion Capture prozesse, die günstiger und realistischer sein soll. In einem Artikel der Zeitschrift “Politik & Kultur” schreibt er über die Chancen der künstlichen Intelligenz und den Einfluss auf die Branche: “echte Menschen müssen Alternativen finden, um konkurrenzfähig zu bleiben.” Er sieht Akzeptanz bei Konsument:innen durch Erfolge anderer Modelle wie der ABBA-Hologrammshow oder der Benutzung von ChatGPT. Dabei wäre künstliche Intelligenz eine Möglichkeit das Filmerlebnis weiter zu individualisieren – wie auch immer das aussähe. Nichtsdestotrotz sieht er die Grenzen in der Mustererkennung der Maschine. Da die besten Filme eben genau mit diesen Mustern spielen würden und Erwartungen brechen, die die KI nur reproduzieren kann.
In Bezug auf gesetzliche Anpassungen schreibt Biedlung von der Heide darüber hinaus auch von der Notwendigkeit einer Absicherung der Schauspieler:innen. Es müsse gewährleistet sein, dass alle Beteiligten entsprechend entlohnt werden, zum Beispiel durch ID-Management-Systeme. Wie genau sich die Entlohnung von Schauspieler:innen, Synchronsprecher:innen usw. verändern könnte ist dabei abzuwarten. Auch die Absicherung der Persönlichkeitsrechte steht aus. Bereits jetzt gibt es Verfahren wegen Stimmklaus und auch bekannte DeepFake Problematiken scheinen weitere Risiken darzustellen.
Abzweigung: Existenzangst
Im Gegensatz zu Social Media Spielereien und Einsparungen von Unternehmen in der Werbung sind die Debatten rund um den “künstlerischen” Teil der Filmbranche hitziger. In einem Artikel der Tagesschau mit dem amerikanischen Animationskünstler Sam Tung erklärt dieser: “Für einen skrupellosen Produzenten, der Geld sparen will, kann [KI-Generiertes] gut genug sein. Es kann billiger sein, die KI kann schneller und mehr Bilder produzieren als ein menschlicher Künstler. Der Jobverlust ist ein sehr reales Problem.“ In einem BR-Artikel wird die Situation als “Zwiespalt zwischen Goldgräberstimmung und Existenzangst beschrieben”. Das unterstreichen auch die Zahlen: Eine Studie der Animationsgemeinschaft in Los Angeles zeigt, dass innerhalb der nächsten drei Jahre bis zu 204 tausend Jobs in der Filmbranche wegfallen könnten.
In einem offenen Brief richteten sich Hollywoodgrößen an das Weiße Haus, die darum bitten, etwas gegen die Urheberrechtsverletzungen zu tun, die durch KI entstehen. Davon hänge die Stärke der Kreativindustrie des Landes ab, so der Brief. Zuletzt fiel auch Regisseur Guillermo del Torro bei seiner Pressetour mit dem Film “Frankenstein” auf. Zwischen “Fuck AI” und dem Statement, dass er lieber sterben würde als generative künstliche Intelligenz in seinen Filmen zu nutzen, zeigt er eine klare Haltung. Viele in der Branche pflichten ihm bei. Dabei geht es dem Regisseur nicht zuletzt darum innezuhalten und zu überlegen wohin der Weg, künstlicher Intelligenz so eine große Rolle zuzugestehen, führt. Sowohl für die Branche als auch für die Geschichten und die Kreativität.
In Deutschland beziehungsweise der EU wurden durch den EU AI Act bereits die ersten Stellschrauben im Umgang mit Künstlicher Intelligenz gesetzt. Dabei geht es vor allem um Risikoeinschätzung und den generellen Nutzen von KI. Durch diese Entscheidungen kann beispielsweise Sora nicht in Deutschland genutzt werden – zumindest nicht auf direktem Weg.
Die Resonanzen und Gesetzesentscheidungen sind das eine, auf der anderen Seite sollte sich in diesem Kontext jedoch auch selbst die Frage gestellt werden ob und inwieweit man künstliche Intelligenz – insbesondere die generative KI – für die eigenen Produktionen nutzt. Was bedeutet die eigene Entscheidung auch in Bezug auf weitere Entwicklungen?
Im größeren Kontext…
Künstliche Intelligenz hat offensichtliche Vorteile, besonders in Bezug auf Kosten und Effizienz. Auch einige Nachteile wurden vermutlich schon deutlich: Urheberrechtsverletzungen oder die Bewertung als unauthentisch sowie Folgen für zahlreiche Arbeitsplätze in der Branche. Auf einer ethischen Ebene könnte man hier noch ein Einsetzen kreativer Faulheit, das Verlassen auf schnelles Dopamin und seine Folgen sowie die immer weitere Industrialisierung von Kunst und Kultur nennen. Darüber hinaus verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Generiertem immer weiter, was uns besonders in einer globalisierten und digitalisierten Welt, die noch darauf ausgerichtet ist, Videos zu vertrauen, vor neue Probleme stellt.
Eine weitere Facette besteht in der Auswirkung auf unsere Umwelt. Nach jetzigem Stand wird die Benutzung künstlicher Intelligenz immer mehr zu einem Klimaproblem. An dieser Stelle ist anzumerken, dass es sich bei diesen Auswirkungen nicht nur um die Benutzung von KI in der Filmbranche beziehungsweise der Benutzung generativer KI handelt. Nichtsdestotrotz gehört der Einfluss dieser Branche dazu.
Die Klimaziele sind durch das exponentielle Wachstum und den Ausbau der KI-Infrastruktur massiv gefährdet. Das zeigt sich in dem Anstieg vom Strom und Wasserverbrauch sowie dem Ausstoß von CO2, der mit dieser einhergeht.

Fazit
Höchstwahrscheinlich ergeben sich in den nächsten Jahren oder bereits Monaten neue Chancen, Herausforderungen und vielleicht auch Lösungen wie mit künstlicher Intelligenz in der Filmbranche umgegangen wird. Die klare Herausforderung ist ein Mittel innerhalb progressiver Ideen und Möglichkeiten zu finden, das mit den eigenen Wertvorstellungen und besonders Nachhaltigkeitsprinzipien übereinstimmt.
Wir als Blickfänger geben uns Mühe ein Auge auf die neusten Entwicklungen zu haben und sie für uns einzuordnen. Gerne beraten wir Sie und sprechen mit Ihnen über die verschiedenen Möglichkeiten Ihr Projekt zu realisieren – mit oder ohne künstliche Intelligenz.
